Samstag, 14. Juli 2012

Fliegenfischen im deutschen Mittelgebirge


Fliegenfischen im deutschen Mittelgebirge

Wunderschöner Mittelgebirgsbach im Thüringer Wald

Monsterforelle mit Streamer überlistet

In Deutschland gibt es unzählige Möglichkeiten seiner Passion nachzugehen. Besonders die Flüsse im Thüringer Wald zählen zu den attraktivsten Gewässern und beherbergen unzählige monströse Forellen. Dazu zählen viele verschiedene Zuflüsse der Saale wie zum Beispiel die Weser, Unstrut, Ilm und Schwarza. Einige Flussabschnitte sind jedoch private Pachtgewässer, in denen man nur mit einer Sondergenehmigung ausschließlich mit widerhakenlosen Fliegen fischen darf.

Exklusive Privatstrecke 

Ausrüstung zum Fliegenfischen im Mittelgebirge
Mit der richtigen Ausrüstung kann man an diesen Abschnitten mitunter den Fisch seines Lebens fangen. Als geeignetes Gerät empfehlen sich zwei Fliegenruten mit unterschiedlichen Gewichtsklassen. Zum einen sollte man eine etwas kräftigere Rute der Aftmaklasse 6-7 zum Streamerfischen dabei haben. Mit ihr kann man auch schnell und unproblematisch auf Nymphe umrüsten. Die Rutenlänge sollte um die 2,70 m betragen und das Vorfach ist mit einer 0,24 mm Fluorcarbonspitze bestens ausgestattet, da man tiefe Flussabschnitte oftmals grundnahe befischen muss und somit zwangsläufig Hänger riskiert. Die Verbindung zur Hauptschnur sollte dabei möglichst fließend sein, um auch notfalls völlig problemlos die Rutenspitze als Hakenlöser nutzen zu können. Die Auswahl der Fliegenschnur ist Geschmackssache. Manche bevorzugen eine DT-Schnur, die ruhig in der Luft liegt und sich gut in der Strömung umlegen lässt. Andere hingegen tendieren eher zu WF-Schnüren oder bevorzugen Schussköpfe, die möglichst weite Würfe zulassen. Man sollte dabei jedoch nicht vergessen, dass sich diese Schnüre auch um einiges schwerer werfen lassen und man nur wenige Leerwürfe benötigt, um ans Ziel zu kommen. Dem ungeübten Fliegenfischer sind deshalb DT-Schnüre eher zu empfehlen. An der Rute mit möglichst kräftigem Rückgrat, was das Menden der Schnur in der Strömung enorm erleichtert, sollte eine Fliegenrolle mit guter Bremse angebracht sein, die sich auch im harten Drill gut regulieren lässt. Torpedoartige Fluchten der oftmals kapitalen Steelheads kann man dadurch bestens abfangen. Besonders in den warmen Sommermonaten befinden sich die größeren Exemplare an Vertiefungen in grundnähe und bevorzugen das kalte sauerstoffreiche Wasser. Für diese Bereiche empfiehlt sich zusätzlich auch einen Bissanzeiger anzubringen, welcher in unterschiedlichsten Formen im Fachhandel zu erwerben ist. Des Weiteren ist eine gute Polarisationsbrille unverzichtbar, um Schatten unter der Wasseroberfläche oder Verwirbelungen fressender Forellen gut erkennen zu können. Ebenfalls sollte man immer ein paar Körner Bleischrot dabei haben, um leichte Fliegen schnell auf Tiefe bringen zu können.

Streamerausrüstung und Trockenfliegenrute griffbereit

Regenbogenforellen und Bachforellen auf Streamer und Nymphe
Nun komme ich zur vielleicht effektivsten Methode, Großforellen zu fangen, dem Streamerfischen. Dabei wird der bevorzugt im Kopfbereich beschwerte Streamer etwas schräg oberhalb stromaufwärts befördert und durch gezieltes Umlegen der Fliegenschnur auf Tiefe gebracht. Wenn die Fliege den Hotspot, meist eine tiefe Gumpe oder Unterspülung erreicht hat, wird der Streamer langsam eingestrippt. Die Geschwindigkeit des Einstrippens und die Länge der Züge sind selbst zu variieren, bis man den ersten Biss verspürt. Somit kann man die richtige Geschwindigkeit selbst herausfinden. Auch die Rutenspitze kann man dabei etwas bewegen, um den Köder noch mehr Leben einzuhauchen. Besonders Fliegen mit reizvollen Materialien, wie Marabu oder Kaninchenfell eignen sich gut, weil sie sehr lebendig und verführerisch im Wasser spielen. Die Farbe ist dabei ebenfalls dem Gewässer anzupassen und meiner Meinung nach eher von untergeordneter Bedeutung, da das Farbsehen der Forellen nicht eindeutig bewiesen ist. Als Faustregel gilt jedoch, im klaren Wasser möglichst unauffällige Farben wählen (weiß, braun, grau, schwarz, dunkelgrün) und im trüben Wasser eher auf reizende Farbtöne setzen (rot, orange, giftgrün). Ein glitzernder Schimmer ist bei allen Streamern von Vorteil, da sich hierbei die Nachbildung eines kleinen Beutefisches am besten widerspiegelt.





Beim Nymphenfischen kann man das gleiche Gerät verwenden. Zusätzlich kann man noch einen Bissanzeiger am Knotenpunkt zwischen Vorfach und Flugschnur anbringen. Auch bei dieser Technik wirft man etwas schräg stromauf, legt die Schnur gegen die Strömung kontrolliert um und lässt den Köder mit der Strömung abdriften. Je mehr Kontakt man zum Köder hat, desto besser klappt später der Anhieb, wenn der Bissanzeiger plötzlich weg zieht oder stehen bleibt. Auch eine Nymphe kann man am Auslauf durch das Halten der Rute am Ende der Drift aufsteigen lassen und langsam in kleinen Zügen einstrippen. Besonders das Einholen in ruhigeren Bereichen erweist sich oft als effektivere Methode gegenüber dem leblosen Abtreiben.


Große Regenbogenforelle mit Streamer überlistet
Regenbogenforelle

Regenbogenforellen und Bachforellen auf Trockenfliege
Man spart enorm viel Zeit, wenn man zusätzlich zur schweren Ausrüstung noch eine etwas leichtere Fliegenrute zum Trockenfliegenfischen dabei hat. Hier eignen sich besonders gut weiche Ruten der Länge 2,10 m bis 2,40 m in den Aftmaklassen 4/5/6. Mit einer weichen Rute lassen sich die Maifliegen-, Eintagsfliegen-, Köcherfliegen-, Steinfliegen- und Mückenimitationen möglichst sauber präsentieren. Besonders die Parachute-Modelle mit Fallschirmhecheln landen immer ideal auf der Wasseroberfläche und sind aufgrund ihrer Flügel gut vom weiten zu verfolgen. Auch Rehaarsedges in den unterschiedlichsten Größen eignen sich in den Sommermonaten am Abend perfekt zum Präsentieren, wenn nur wenig Platz vorhanden ist und man sich mit Rollwürfen zufrieden geben muss. Das konisch gezogene, sich selbst verjüngende Vorfach sollte weit über Rutenlänge hinausgehen und eine Spitze von 0,16 mm Fluorcarbon besitzen. Somit lassen sich auch kurze Würfe ideal abbrechen, damit die Schnur kontrolliert in sich zusammenfällt und sich so in kleinen Schlangenlinien auf die Wasseroberfläche ablegt. Dazu sollte man möglichst vertraut mit Fallschirm- und Schlangenwürfen sein. Auch das Abnehmen der Fliegenschnur von der Wasseroberfläche sollte immer mit einem zuvor angedeuteten Rollwurf stattfinden, da sich sonst zu viele Wellen bilden, die sich negativ auf das Fluchtverhalten der anvisierten Zielfische auswirken könnten. Wurde ein steigender Fisch ausgemacht, wird zum Wurf angesetzt. Dabei sollte sich die Anzahl der Leerwürfe immer in Grenzen halten. Das wichtigste ist jedoch beim Einsatz der Trockenfliege, dass sich das Vorfach niemals so sehr strecken darf, dass die Fliege anfängt zu furchen (z.B., wenn sie schneller abdriftet, als die eigentliche Strömung). Wenn man diesen Tipp beherzigt, klappt es auch mit dem Erfolg, denn wenn eine ausgemachte Forelle regelmäßig steigt und man ihr den Köder möglichst präzise einige Meter in lockeren Schlaufen vors Maul ablegt, wird sie auch nicht zögern und die Fliege mit einem Plätschern einsaugen. Der Anhieb ist dabei Übungssache und sollte sehr zeitnahe kontrolliert und leicht aus dem Handgelenk erfolgen.


Feinstes Fischen inmitten unberührter Natur

Die Forelle des Lebens
Mit ein wenig Glück und Ausdauer fängt man mit diesem Prinzip vielleicht irgendwann seinen Fisch des Lebens. Als ich Mitte Juli 2012 an einem privaten Flussabschnitt im Thüringer Wald mit diesen Techniken fischte, landete ich neben unzähligen kleinen Bachforellen und strammen Regenbogenforellen oberhalb der 50er Marke auch eine riesige Monsterforelle. Mit der Polarisationsbrille beobachtete ich diesen Fisch mehrere Stunden und präsentierte ihm vorsichtig die unterschiedlichsten Fliegenmuster. Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich kurz vor dem Aufgeben, da sich dieses Monster einfach nicht zu meiner Fliege hingezogen fühlte. Ich entschloss mich nach langem Überlegen dazu, eine kleine Änderung am Gerät vorzunehmen. Aus Dänemark vom Lachsfischen an der Skjern Au besaß ich noch eine Lachsfliege in rot/schwarz. Da sich die riesige Regenbogenforelle jedoch hinter einem großen Stein befand, an dem die Strömung sehr stark war, klemmte ich noch eine kleine Bleischrotmurmel kurz vor die Lachsfliege. Ich präsentierte den Köder über hundertmal und die Forelle reagierte einfach nicht auf meine Fliege. Schließlich war sie nicht umsonst so groß und fett geworden. In ihrem Forellenleben musste sie schon viele Fliegenfischer abblitzen lassen. Doch ich sah in dieser Forelle den Fisch meines bisherigen Anglerlebens. Ich fühlte mich kurzzeitig wie Brad Pitt in dem Film „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“, denn dieser Fisch konnte locker mit der gefangenen Forelle von Brad mithalten. Leider war sie einige Meter von mir entfernt und wollte einfach nicht beißen. Doch wer schon Mal auf Lachse gefischt hat, weiß wovon ich rede. Man wirft diesen einen Lachs tausendmal an und irgendwann kommt der Moment, an dem er aus welchen Gründen auch immer, zupackt. Man hat nur diese eine Chance, denn wenn der Haken nicht sitzt, ist alles verloren. Auch ich hatte nur diese eine Chance. Ähnlich wie auf einer Straße, an dessen Rand eine Blechdose liegt, war es auch am Bach. Hundert Menschen laufen an dieser Blechdose vorbei ohne sich dafür zu interessieren, aber irgendwann kommt der Moment, an dem irgendjemand gegen die Dose tritt. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf fischte ich nun schon fast fünf Stunden an der gleichen Stelle, nur mit diesem einen Ziel vor Augen. Ich wollte die Forelle meines Lebens fangen.


Schatten der Monsterforelle
Sichr gehakt - Adreanalinspiegel steigt
Die starke Belastung führte einige Zeit später zum Herausbrechen eines Ringes!!!
Ein U-Boot marschiert los & schießt durch den Bach

Tatsächlich bewegte sich nach dem x-sten Wurf der gewaltige Schatten zu meiner Lachsfliege, ich konnte noch genau sehen, wie sich das riesige Maul urplötzlich öffnete, um mir das Adrenalin in den Kopf schießen zu lassen. Mit zitternden Knien setzte ich den Anhieb. Sofort sprang das Urmonster nach oben aus dem Wasser hinaus und landete mit einem gewaltigen Klatschen wieder sicher im kühlen Nass. Dann begann die rasante Flucht durch den gesamten Flussabschnitt. Kaum konnte ich die Fliegenrute halten, so spritzig schnell bewegte sich die Regenbogenforelle von der einen Strömungskante zur nächsten. Ich musste hinterher, immer mit der Hand an der Bremse. Irgendwann stellte sich die Forelle nur noch mitten in die Strömung und verharrte am selben Fleck. Nach einem langatmigen Drill konnte ich sie ans Ufer ins seichte Wasser ziehen. Die Flosse war so groß wie meine Hand und die Länge lag weit über 70cm, vom Gewicht mal ganz abgesehen. Der Fisch ähnelte eher einem  Lachs, als einer Forelle. Nach einer kleinen Fotosession, befreite ich den Fisch wieder schonend vom Haken und ließ ihn davon ziehen. Dieser Tag sollte mir so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen. Es war der Fluss der Zeit, der mir diesen Moment bescherte, doch so wie der Fluss mir den Fisch als Geschenk für meine Ausdauer und Geduld in die Hand legte, musste ich auch wieder loslassen und mich von meiner größten gefangenen freilebenden Regenbogenforelle verabschieden, um den Fluss seiner Schönheit nicht zu berauben. Doch Bilder sagen oftmals mehr, als tausend Worte. In diesem Sinne:

Petri Heil & viel Erfolg beim Fangen eurer Traumforelle wünscht euch Brad Blackfish! 

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Aufgepasst: BUCHTIPP für alle, die auch am Fang einer Monsterforelle interessiert sind:

Der Ratgeber Fliegenbinden & Fliegenfischen auf Bachforelle beinhaltet wirklich ALLES, was man dazu wissen muss! 

Es werden nicht nur die erfolgreichsten Fliegenmuster in Schritt für Schritt-Bindeanleitungen vorgestellt, sondern auch deren genauer Einsatz am Wasser praxisorientiert beschrieben. Wer also ernsthaft an diesen Insidertipps interessiert ist, sollte sich unbedingt dieses Buch zulegen!

Bei aller Liebe zum Fliegenfischen bitte ich jedoch darum, dass diese Tipps & Tricks verantwortungsvoll eingesetzt werden. 

Catch & Release sollte ebenso allgegenwärtig sein, wie das Fliegenfischen ohne Widerhaken. Auch für den langfristigen Schutz & Erhalt unserer wunderschönen Fließgewässer sollten sich die Leser in Zukunft einsetzen - als Gegenleistung erwartet EUCH eine garantiert aussichtsreiche Forellenfischerei!  


Der Ratgeber Fliegenbinden & Fliegenfischen auf Bachforelle ist auch als gedruckte Ausgabe erhältlich!

INHALTSVERZEICHNIS
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